speziallager3 hohenschönhausen

Wann immer von Konzentrationslagern die Rede ist, steht die Unschuld der Opfer des Lagersystems stillschweigend fest; in jedem Fall wird deren Schuldhaftigkeit nicht eigens erwähnt. Kaum jemand würde von den »unschuldigen und schuldigen Opfern« des Lagers Auschwitz zu sprechen wagen. Ihm stünde, je nach Partei, ein Sturm der Entrüstung ins Haus.

In der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung denkt man anders darüber; zumindest in der ehemaligen Partei des demokratischen Sozialismus, kurz PDS, bzw. ihrer Nachfolgeorganisation Die Linke. Nicht, dass die Linke einige Opfer von Auschwitz für schuldig erklärte; das macht sie sicherlich nicht. Doch sie vertritt die Meinung, dass es in einem Lager durchaus schuldige Gefangene geben kann. Von einem Opfer zu reden, wäre damit nicht richtig.

Wie ist es zu diesem Urteil der Linken gekommen? – Der Ausgangspunkt war ein kleine Anfrage der AfD, ob sich unter den bei der Eroberung Berlins gefallenen sowjetischen Soldaten, denen mit der Gedenkstätte in der Küstriner Straße gedacht wird, eventuell Opfer des Speziallagers 3 in Hohenschönhausen befinden. Zur Erinnerung: Das Speziallager Hohenschönhausen wurde von der Sowjetischen Besatzungsmacht am eingerichtet und zwischen Mai 1945 und Oktober 1946 betrieben. Unter den Inhaftierten findet man so bekannte Namen wie den Schauspieler Heinrich George und Kritiker der sowjetischen Besatzungsmacht wie Karl Heinrich und Helmut Kind. Im Lager herrschten Verhältnisse, wie man sie auch aus deutschen Konzentrationslagern kennt. Insgesamt starben bis zu ca. 3000 Personen in der Haft; die Namen von 702 Toten sind bekannt und in einem Totenbuch nachzulesen. Die bei der Auflösung des Lagers im Herbst 1946 noch inhaftierten Personen wurden ins Lager Sachsenhausen verbracht.

Zugegeben: Auch wenn die Kämpfe in Berlin bis Ende April 1945 andauerten, es also durchaus denkbar ist, dass im Speziallager 3 verendete Personen auf dem Friedhof vergraben wurden, der eigentlich den getöteten sowjetischen Soldaten vorbehalten war – sehr wahrscheinlich ist es nicht. Denn die Leichen der Verstorbenen wurden üblicherweise irgendwo in der Umgebung des Lagers verscharrt.

Damit ist die kleine Anfrage der AfD-Fraktion durchaus sinnvoll. Und sei es auch nur, um zu klären, wessen Geistes Kind einige Mitglieder der Linken immer noch sind. Denn in der Antwort auf die Anfrage spricht ein Verordneter der Linken, der zugleich Historiker ist, tatsächlich von »unschuldigen und schuldigen Opfern« des Speziallagers 3.

»Schuldige Opfer« des Speziallagers 3? – Das ist, gelinde gesagt, eine Frechheit. Denn in das Lager wurde man nicht nach einem Gerichtsverfahren eingeliefert. Zitat aus einer Studie: »Eines darf nicht vergessen werden: Die Häftlinge in den Speziallagern wurden zwar unter dem Vorwurf politischer Verbrechen eingeliefert, doch in vielen Fällen erfolgte keine anschließende Untersuchung und Befragung, oder aber die Ermittlungen wurden in brutaler Form durchgeführt, ohne Beachtung der Rechte der Beschuldigten. Die Strafverfolgung durch die sowjetischen Organe bewegte sich, grob skizziert, zwischen Nichtwahrnehmung und Geständniserpressung mit illegalen Methoden.« [1]

Unter den so willkürlich inhaftierten entdeckt die Linke also auch heute noch schuldige Opfer. Mit anderen Worten: Die Linke bewegt sich weiterhin im ideologischen Sumpf des mörderischen Speziallagersystems der sowjetischen Besatzungsbehörden. Sie steht also noch immer dort, wo sie damals schon stand. Ihr sind die Opfer von Sozialismus und Kommunismus egal. Alles andere sind die Scheinbekenntnisse linker Gesinnungsgenossen; abgegeben um den Bürger zu täuschen. Sie gleichen dem brühmten Zitat des bolschewistischen Fräuleins Luxemburg: »Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden«, hat sie gesagt; nur meinte sie zu keinem Zeitpunkt die Freiheit der Anderen, sondern immer nur die Freiheit von Sozialisten. Der Rest war ohnehin schuldig und saß früher oder später wohl zu recht im Konzentrationslager sozialistischer Prägung in Haft. Ein schuldiges Opfer des Sozialismus.

Wer so redet und argumentiert wie die Linke, wird einem Museum oder gar einem Mahnmal für die Opfer von Sozialismus und Kommunismus seine Unterstützung verweigern. Und weil bei SPD und Grünen eine gehörige Restsympathie für die linken Mörder von damals besteht, haben sie sich der Ablehnung eines Antrags der Alternative für Deutschland zum Bau eines solchen Mahnmals angeschlossen. Mit einer Erinnerungskultur zu linken Verbrechen haben auch sie herzlich wenig am Hut. Schließlich ist ihre Ideologie auch die Ideologie der Mörder gewesen.

[1]Jörg Morré: Speziallager des NKWD Sowjetische Internierungslager in Brandenburg 1945-1950