Die aktuelle Schulpolitik, genauer Schulbaupolitik, ist ein Desaster. Es gibt zu wenig Schulplätze und zu viele Schüler. Das wissen die Eltern, das wissen die Lehrer, das weiß das Bezirksamt. Ebenso wissen Eltern und Lehrer, wer verantwortlich ist für das Desaster: Das Bezirksamt. Davon will das Bezirksamt nun aber nichts wissen. Im Gegenteil: Als wäre das Ausbügeln eines Fehlers eine besondere Leistung, loben die Verantwortlichen für das Desaster sich für ihren Eifer, eben dieses Desaster resolut zu bekämpfen.

Was der Normalbürger sicherlich fragt: Wie kam es zu dem Desaster? Und weiter: Wie lässt sich für die Zukunft ein solches Desaster verhindern? Auch die Alternative für Deutschland hat das gefragt in einer Anfrage an das Bezirksamt: Validiert das Bezirksamt seine Prognosen? Die Antwort des zuständigen Stadtrats Nünthel war kurz: Nein.

Nach dieser Antwort wundert eigentlich nichts mehr. Denn sie besagt: Das Bezirksamt macht zwar Prognosen über die zukünftige Entwicklung der Schülerzahlen an den Lichtenberger Schulen; doch es denkt nicht eine Sekunde daran, diese Prognosen zu überprüfen. Unprofessioneller geht es wohl kaum. Was in jedem Betrieb das Selbstverständlichste ist, das Bezirksamt Lichtenberg verzichtet darauf und natürlich ohne Begründung. Was wiederum wenig wundert, denn es gibt keinen guten Grund, eine Prognose nicht zu validieren. Warum?

Eine Prognose hat den Zweck, für die Planung Zahlen zu liefern. Dazu gehören zum Beispiel die zukünftige Entwicklung der Einwohnerzahl und die Zahl verfügbarer Plätze an den vorhandenen, zu erweiternden und noch zu bauenden Schulen. Die aktuellen Prognosen des Schulentwicklungsplans (SEP) stammen aus dem Jahr 2017 und reichen von den Schuljahren 2018/19 in jährlichen Schritten bis 2023/24. So weit, so gut.

Nun sind Prognosen naturgemäß Werte, die nicht zwingend eintreffen müssen. Und je weiter in die Zukunft eine Prognose blickt, umso unsicherer werden die prognostizierten Daten, umso stärker wird möglicherweise die Abweichung sein. Die Prognose der Schülerzahlen für 2019 ist sicherer als die für 2020 und diese wiederum sicherer als die für 2021 und so fort.

In der Praxis werden daher Prognosen einer Kette von Werten validiert, das heißt, nach einem Jahr werden die dann ja bekannten tatsächlichen Werte mit der Prognose verglichen. Fällt die Abweichung schon nach einem Jahr sehr deutlich aus, dann ist Skepsis gegenüber den Werten der Prognose für die folgenden Jahr am Platz.

Nicht so beim Lichtenberger Bezirksamt. Das verzichtet auf eine Validierung der Prognosen, auf denen seine Planung beruht. Und natürlich ist die Überraschung dann groß, wenn es nicht so kommt wie geplant. Darunter leiden Schüler, Lehrer und Eltern. Nur das Bezirksamt, speziell den zuständigen Stadtrat Nünthel ficht das nicht, ihm sind überfüllte Klassen, überlastete Lehrer und besorgte Eltern egal. Er wird, wie schon in diesem Jahr, auch dann mit prahlerischem Aktionismus versuchen, Missstände zu beheben, die es ohne ihn und die völlig verfehlte Planung seiner roten Vorgängerin gar nicht gäbe.

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