Im Rahmen seines Studiums an der Friedrich-Wilhelm-Universität (heute Humboldt-Uni) in Berlin (1836-1842) war der leibhaftige Marx im Jahre 1837 vom Frühjahr bis Herbst im Dörfchen Stralau (alte Schreibweise: Stralow) wohnhaft (siehe Abschn. 10: http://www.mlwerke.de/me/me40/me40_003.htm).

Stralau gehörte damals, genau wie das Gebiet des heutigen Bezirkes Lichtenberg, noch zum Landkreis Niederbarnim und lag ganz dörflich vor den Toren der überschaubaren preußischen Hauptstadt Berlin
(Link: http://www.gemeindeverzeichnis.de/gem1900/gem1900.htm?brandenburg/niederbarnim.htm )
In DDR-Zeiten wurde dem Säulenheiligen des Kommunismus deshalb auf der Halbinsel Stralau (Bezirk Friedrichshain) ein Gedenkstein errichtet, der auch heute noch dort steht.
Damals, als 19-jähriger war der junge Marx sicher nicht mehr, als ein reichlich verträumter Student (der eigentlich Dichter werden wollte) und der weder Interesse für irgendwelche Proletarier zeigte, die damals ohnehin kaum vorhandenen waren, noch das Interesse anderer Mitbürger groß geweckt hätte.
Insofern ist diese kurze Episode des Aufenthalts von Marx im Landkreis Niederbarnim, in unmittelbarer Nähe zum Dorf Lichtenberg, für sein späteres Leben sicher wenig relevant.
Es ist nur eine Ironie der Geschichte, das er die Gegend um den späteren Bezirk Lichtenberg, die für den Marxismus in Deutschland ja durchaus noch sehr relevant werden sollte, bereits 108 Jahre vor dem Umbruch 1945 schon mal persönlich in Augenschein genommen hatte.
Das Hauptanliegen der nagelneuen „Kommunisten“, als die sich Marx und Engels etwas später dann bezeichneten, legten sie 1848 in ihrem „Manifest der Kommunistischen Partei“ in zehn Punkten offen
(Link: https://paxxreloaded.wordpress.com/2011/01/06/marx-und-engels-empfehlungen-fur-den-weg-zum-kommunismus/ )

Viele dieser „Empfehlungen“ werden zumindest den Ossi’s unter uns, auch aus praktischer Erfahrung, noch irgendwie bekannt vorkommen.
1848/49 war dann in Deutschland Revolution, allerdings nicht wegen Marx und seiner Ideen. Damals hatte keiner so Recht Zeit bzw. Interesse am „Manifest der Kommunistischen Partei“.
Etliche Jahre später, am 15. August 1857, schrieb Marx in einem Brief an Engels bereits sehr konzilant: „Es ist möglich, dass ich mich blamiere. Indes ist dann immer mit einiger Dialektik zu helfen. Ich habe selbstverständlich meine Aufstellungen so gehalten, dass ich im umgekehrten Fall auch Recht habe.“ ( Aus: Akstinat: Marx & Engels intim)
Marx Werke sind in erster Linie nur ein großer wilder Ideen-Steinbruch.
Eine in sich geschlossene Gesellschaftsanleitung für die Zukunft hat er, entgegen häufiger Meinung, nie verfasst.
Die gewaltsame Abschaffung des bürgerlichen Eigentums war allerdings ein Kernanliegen von Marx, wobei den Unternehmern (Kapitalisten) unterstellt wurde, die Arbeiter (Proletarier) beim Arbeitsprozess generell zu betrügen, ob dem Unternehmer das nun bewusst war oder nicht, der Betrug fand alternativlos statt.
Die Enteignung des Unternehmers (als enteignender Kapitalist) wurde deshalb nett als „Expropiration der Expropirateure“, also sinngemäß als gerechte „Enteignung der Enteigner“ verklausuliert.
Die Nationalsozialisten haben sich dann später auch daran orientiert und nur für „Kapitalist“ „Jude“ und statt „Klasse“ „Rasse“ eingesetzt, um so ebenfalls ihre Art der „Expropiration der Expropirateure“ zum eigenen Nutzen durchzuführen.

Hatten Ulbricht und Honecker, oder gar andere Diktatoren, wie z.B. Stalin, vielleicht am Ende viel weniger Schuld, als die eigentlichen geistigen Ur-Brandstifter Marx und Engels?
Nun, dazu muss man schon berücksichtigen, dass damals ja niemand gezwungen wurde, die diktatorischen Ideen von Marx und Engels umzusetzen.
Also bleibt die individuelle Schuld der Diktatoren bestehen, aber auch Marx und Engels sind nicht so schuldlos, wie es dargestellt wird.
Die Errichtung einer „Diktatur des Proletariats“ wird z.B. auch nicht erst bei Lenin, sondern bereits in der Marx‘schen Schrift „Kritik des Gothaer Programms“ 1875 gefordert, die allerdings erst posthum 1891von Engels veröffentlicht wird.
Die Schriften von Marx und Engels waren wie geschaffen, um revolutionären Massen einzureden, dass all die geplanten gewalttätigen Bereicherungen: a) gerecht, b) wissenschaftlich und c) naturgesetzlich eh nicht ab zu ändern wären, also der hehre Zweck alle brutalen Mittel schon heiligen würde.
Keiner brauchte so bei Unterdrückung und Mord mehr ein schlechtes Gewissen zu haben und genau so kam es dann später auch.
Ein großer Teil der Schriften von Marx und Engels kritisierten bedauernswerte Zustände der Marktwirtschaft ihrer Zeit, von Kinderarbeit über Betrug bis hin zur Existenzvernichtung. Und vermutlich wird das auch genauso wie dort beschrieben gewesen sein.
Aber die eher spärlichen und durch die Realität längst widerlegten Zukunftsvisionen von Marx, über eine tolle Gesellschaft ganz ohne Marktwirtschaft, kann man leider für eine bessere Welt gar nicht gebrauchen.
Marx prägte, nicht ungeschickt, für den sich selbst erklärenden, natürlichen Begriff „Marktwirtschaft“ ein neues, schwer verständliches Kampfwort: „Kapitalismus“.
So konnte man denken, dieser „Kapitalismus“ sei ja auch nur irgend eine theoretische Idee von Menschen gewesen, genauso wie die Kopfgeburt „Sozialismus“, nur eben fieser, also mit Ausbeutung und so.
Ach, dachten viele, wenn man diesen bösen „Kapitalismus“ doch einfach abschaffen könnte und an die Stelle des Alten einen netten Sozialismus ohne Ausbeutung setzen würde – schon würde alles für alle prima laufen.
Heute braucht man nur mal all die Prophezeiungen von Marx zu lesen, um zu erkennen, dass die reale Geschichte ihn längst als falschen Propheten enttarnt hat.
Sehr zu seinem Leidwesen hat Marx zu seinen Lebzeiten auch nicht besonders viele Reaktionen des öffentlichen Mainstreams bewirkt.
Weder die realen Proletarier, noch die neuen Gewerkschafter interessierten sich damals für seine genialen Lehren.
1883 kamen nur ein Dutzend Personen zu Marx Beerdigung in London, was im Unterschied z.B. zur Beerdigung von Wilhelm Liebknecht in Lichtenberg (Zentralfriedhof) um 1900, also 17 Jahre später, mit 150.000 Personen, auch die geringe Wirkung der Marx-Werke zu seinen Lebzeiten verdeutlicht.
Von Marx-Fans kommt regelmäßig der Einwand „Gute Idee – nur schlecht ausgeführt“, also eine Entschuldigung, dass die bisherigen Experimente ja kein wahrer und guter Marxismus gewesen seien, sondern verfälscht.
Dazu muss man leider feststellen, das schon Marx keine demokratische Idee einer neuen Gesellschaft hatte und diese nicht erst später durch Bösewichte wie Stalin und Mao verfälscht und extrem schlecht umgesetzt worden wäre, sondern die traurige Wahrheit ist:
Marx hat in seinem Schriften von Anfang an hauptsächlich auf Gewalt, Enteignung, sowie dem Schüren von Klassenhass im Rahmen einer Diktatur (des Proletariats) gesetzt.
Marx war ein lupenreiner Antidemokrat, wie die wenige Ausschnitte aus seinen Hauptwerken bereits zeigen.
Antisemit und Rassist war er nebenbei übrigens auch, allerdings eher in seinem Briefwechsel der in Deutschland nicht so einfach zugänglich war.

Zusammen mit Engels hatte Marx z.B. für alle Versuche der späteren reformorientierten Sozialdemokratie, die den Sozialismus parlamentarisch und demokratisch umzusetzen wollte, nur höhnische Verachtung übrig.
Ein Funken Wahrheit ist allerdings in der Aussage drin, dass es bisher noch keinen richtigen Sozialismus gab, so wie Marx ihn beschrieb.
Allerdings war das eben weniger der Fall, weil die Jünger den Marx‘schen Sozialismus alle aus Bosheit oder Unfähigkeit verfälschten, sondern wohl vielmehr, weil Marx Lehre und Vorhersagen meist von Anbeginn an im Widerspruch zur Realität standen.
Aufschwung bekam die Idee des Marxismus dann mit der zunehmenden Industrialisierung. 1893, drei Jahre vor seinem Tod, sprach Friedrich Engels auf Einladung August Bebels und Wilhelm Liebknechts, in den Concordia-Sälen am östlichen Rande Berlins zum damaligen Landkreis Niederbarnim, in der Andreasstraße 64 vor 4000 Arbeitern.
1885 besuchte auch Lenin in der Frankfurter Alle (heute Nr. 102) eine Arbeiterversammlung. Engels hat er aber nie getroffen.
Zur Beerdigung von Wilhelm Liebknecht um 1900, also 17 Jahre nach Marx Tod, fand mit 150.000 Personen auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde (in Berlin-Lichtenberg, auf dem späteren Friedhof der Sozialisten) eine beeindruckende Demonstration der Stärke der Arbeiterbewegung statt. Die SPD verstand sich allerdings eher als reformorientiert und nie als reine marxistische Partei, wie später die KPD.
1914 begann der erste Weltkrieg, der ein erster Baustein für die Errichtung einer sozialistischen Diktatur ab 1945 im östlichen Teil Deutschlands war.
1917 gewährte die Preußische Regierung Lenin freies Geleit in einem plombierten Eisenbahnwaggon, aus seinem Schweizer Exil über Berlin nach Moskau, da sie sich von Unruhen in Russland Kriegsvorteile versprachen.
So fand das erste und wohl bedeutendste sozialistische Experiment mit Waffengewalt von frustrierten Soldaten und Matrosen 1917 durch den Marx-Jünger Lenin im wirtschaftlich und gesellschaftlich bereits taumelnden Russland statt.
Entgegen Marx Lehre war aber gerade Russland offensichtlich nicht das höchstentwickelte kapitalistische Land. Wie das Experiment endete wissen wir.
In den sozialistischen und kommunistischen Experimentierländern gab es letztlich dann die im Schwarzbuch des Kommunismus aufgezählten ca. 100 Millionen Tote, als weltweite Opfer des Kommunismus für die es in Deutschland, dem Land der Klassiker des Kommunismus, immer noch kein zentrales Denkmal gibt.
Man kann die folgende Nationalsozialistische Diktatur und das Ende des zweiten Weltkrieges auch als eine Folge des ersten Weltkriegs sehen.
Nach 1945 bekam Ostdeutschland den Kommunismus seiner Klassiker Marx und Engels dann als Importprodukt aus Russland zurückgeliefert.
Die sowjetischen Besatzer erkoren den Bezirk Lichtenberg, in dem die Kapitulationsurkunde unterzeichnet wurde, zu ihrer neuen Hauptbasis in Karlshorst, von der aus ihre Zentrale mit Marschall Schukow regierte.
Später machte ein gewisser Kommunist, Erich Mielke, der nach 1945 von den Sowjets als Leiter der Polizeiinspektion Berlin-Lichtenberg eingesetzt wurde, steile Karriere und baute schließlich in diesem Bezirk die landesweite Zentrale der Staatssicherheit, inklusive Gefängnis in Hohenschönhausen und der abgeschirmte Wohnanlagen der höheren Mitarbeiter z.B. am Obersee aus. Dieses Erbe des Marxismus prägt Lichtenberg bis heute.

Was bleibt von Marx, wenn sich der Gedenk-Trubel verzogen hat?
Wenig konkretes, die reine Lehre scheint zwar mausetot zu sein, aber die Zerstörung der bürgerlichen Familie ist z.B. immer noch auf der linken Agenda.
Darüber hinaus erstaunlich viel zeitlose Romantik und Träume vom anstrengungslosen Wohlstand a la bedingungsloses Grundeinkommen. Sie sind nachwachsenden Generationen wohl nur schwerlich auszureden.
Es bräuchte dazu einer anderen Bildung, denn der Schoß ist fruchtbar noch…